SEPTEMBER 2026

Hitze und Trockenheit

Im August setzte endlich der lang ersehnte Regen ein — dem Himmel sei Dank. Wochenlange Hitze und aussergewöhnliche Trockenheit hatten der ganzen Schweiz zugesetzt. Die Vögel standen unter Druck, ihre zweite Brut aufzuziehen. Gerne nahmen sie die bereitgestellte Vogeltränke an, sie tranken vom frischen Wasser und badeten darin. Im Teich sank der Wasserstand von Tag zu Tag. Ob sich die vielen Teichbewohner rechtzeitig in tiefere, kühlere Bereiche zurückziehen konnten, bleibt ungewiss. Auch die Landschaft zeigte die Folgen deutlich, die Wiesen und Felder verwandelten sich in steppenartige Flächen. Viele Landwirte mussten zusehen, wie auf ihren dürren Böden kein Futter mehr für ihre Tiere nachwuchs. Quellen versiegten, Flüsse führten immer weniger Wasser und mancherorts vertrockneten bereits die Blätter an den Bäumen. Wie stark der Wald gelitten hat, wird sich wohl erst später zeigen.Die Sorge um die Zukunft bleibt. Wird sich der Klimawandel weiter verstärken? Welche Folgen hat es, wenn sich solche Sommer häufen? Umso befremdlicher wirkt es, wenn Sommerskigebiete vor allem darüber klagen, ihren Betrieb einstellen zu müssen. Über die rasant schmelzenden Gletscher und ihre Bedeutung für unser kostbares Gut Wasser, für die Landschaft und für das Klima ist dagegen erstaunlich wenig zu hören. Silvia Rüegg-Bonelli

23.5.2026

Ein einfallsreicher Parasit

Die Schuppenwurz ist eine bemerkenswerte Pflanze, die sich auf raffinierte Weise an das Leben im feuchten Laub-, Auen- und Schluchtenwald angepasst hat. Der Same der Schuppenwurz kann nur keimen, wenn er maximal einen Zentimeter weit weg von einer Wurzel eines Wirtbaumes zu liegen kommt. Dazu zählt die Pflanze auf den Transportservice der Ameisen. Doch diese arbeiten nicht ohne Gegenleistung. Der Same der Schuppenwurz ist mit einem Anhängsel ausgestattet, welches für die Ameisen von grossem Interesse ist. Deshalb tragen sie die Samen in ihre Nester, die sich im Wurzelgeflecht der Bäume befinden. Dort verzehren sie das nahrhafte Anhängsel und lassen den unversehrten Samen achtlos liegen. Hier ist er geschützt und optimal positioniert für eine mögliche Keimung. Schuppenwurz und Ameisen profitieren von einem gegenseitigen Nutzen. Solche Beziehungen zwischen verschiedenen Lebewesen werden Symbiosen genannt. Doch jetzt ändert die Schuppenwurz ihre Strategie und zeigt sich nicht mehr so grosszügig, wie zu den Ameisen. Weil sie selbst kein Chlorophyll produzieren kann, lebt sie auf Kosten von Erlen, Buchen, Berg-Ulmen, Pappeln oder Haselsträuchern. Findet ihr Same mit seinem Saugorgan eine verholzte Wasserleitung (Xylem) einer Wirtswurzel, dockt er sich an diese an. Von nun an stiehlt die Schuppenwurz dem Baum lebenswichtige, zuckerhaltige Baumsäfte. Das funktioniert jedoch nur im zeitigen Frühling, wenn die Bäume mit hohem Druck ihre energiereichen Säfte zu den Knospen hochpumpen. Damit der Wasseraustausch funktioniert, nutzt die Schuppenwurz kleine, hochspezialisierte Wasserdrüsen an ihrem Stängel, über die sie Wasser verdunsten und den Sog von der Wirtspflanze aufrechterhalten kann. Über Jahre wächst sie unterirdisch zu einem riesigen, reich verzweigten, schuppigen Rhizom heran. Rhizome sind verdickte Speicherwurzeln, in denen die Pflanze Nährstoffe einlagern kann wie in einer Vorratskammer. Es dauert mindestens zehn Jahre, bis die Pflanze das erste Mal blühen kann. Bestäubt wird sie von Hummeln und Bienen. Herrschen jedoch schlechte Wetterverhältnisse, wie Spätfröste, bleibt die Blüte tief unten im Erdreich und bestäubt sich selbst. Dieser Vorgang wird Kleistogamie genannt. Und wenn im Frühling die Blüten erscheinen, ahnt wohl kaum jemand, was sich so lange im Verborgenen abgespielt hat. Silvia Rüegg-Bonelli

Blickfang Natur

2.April 2026

Feuersalamander

Halt ich bin giftig! Das signalisiert diese schwarz-gelbe Körperfarbe des Feuersalamanders. Er kann ein hochwirksames Hautgift produzieren, das potenziellen Fressfeinden schlecht bekommt, weil es stark reizend auf die Schleimhäute wirkt. Die auffällige Färbung dient also als Warnsignal und schützt den Feuersalamander wirksam vor vielen natürlichen Feinden.Adulte Feuersalamander sind reine Landbewohner. Sie lieben feuchte, schattige Laubwälder mit vielen Versteckmöglichkeiten im Wurzelbereich der Bäume, unter Totholz, unter Falllaub oder unter Steinen. Sie ernähren sich von Schnecken, Regenwürmern, Spinnen und Insekten. Sie sind vorwiegend regen- und nachtaktiv. Während Trockenperioden verkriechen sie sich tief in den feuchten Boden oder in Spalten, um nicht auszutrocknen. Besonders nach starken Regenfällen kann man ihnen nachts begegnen, wenn sie auf Nahrungssuche gehen.Die Paarung erfolgt an Land zwischen Frühling und Sommer. Die Tragzeit dauert ungefähr acht Monate. Die Eier entwickeln sich im Körper des Weibchens, wo dann auch die Larven schlüpfen. Die Weibchen suchen ein geeignetes Fliessgewässer für die Ablage ihrer Larven. Nicht jedes Bächlein ist dafür geeignet, die Fliessgeschwindigkeit darf nicht zu schnell, die Temperatur darf nicht zu hoch, der Sauerstoffgehalt im Wasser darf nicht zu gering und die Wasserqualität muss gut sein und es sollte wenig Vegetation im Bächlein sein. Fische im Gewässer würden den Tod für die jungen Larven bedeuten. Nach drei bis sechs Monaten ist die Entwicklung der Larven abgeschlossen. Feuersalamander werden nach zwei bis vier Jahren geschlechtsreif. In einem intakten Lebensraum können sie 20 Jahre alt werden.Die Bestände des Feuersalamanders sind in manchen Regionen durch Lebensraumverlust und die Einschleppung von Krankheitserregern stark gefährdet. Schutzmassnahmen und die Erhaltung naturnaher Wälder und sauberer Bäche sind daher besonders wichtig.

Silvia Rüegg-Bonelli

6.FeBruar 2026

Engelslocke oder Haareis

Vielleicht übersieht der Wanderer dieses erstaunliche, hauchzarte Naturphänomen im Laubmischwald, er nimmt es vermutlich als ein unbedeutendes Schneefleckchen wahr. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt Erstaunliches: sogenanntes Haareis, gelocktes Greisenhaar oder Engelslocken. Bestimmte Bedingungen müssen erfüllt sein, damit das Haareis wachsen kann. Es braucht einen speziellen Pilz und genügend Feuchtigkeit in modernden Buchen- oder Eichenästchen mit aufgesprungener Rinde, eine Temperatur knapp unter dem Gefrierpunkt und es darf kein Schnee liegen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, zaubert die Natur dieses hübsche Kunstwerk, das Haareis, hervor. Diese weissen Haare wachsen aus dem Holz heraus – nicht so beim Raureif oder Raueis. Die feinen, seidigen Haare können eine Länge von fünf bis selten zehn Zentimetern erreichen. Bleibt die Temperatur konstant, kann dieses vergängliche Naturwunder während eines ganzen Tages bestaunt werden. Doch ein einziger Sonnenstrahl oder die kleinste Berührung genügt, und das Haareis schmilzt augenblicklich.

Silvia Rüegg-Bonelli / Foto Arnold Zanoni
21. Januar 2026

Berberitze und Hornisse

Die einheimische Gemeine Berberitze zeigt sich zurzeit in voller Blüte. Schon seit ein paar Jahren beobachte ich, dass Hornissen gerne aus den kleinen Blütenbechern der Berberitzen trinken oder vielleicht auch etwas abknabbern. Sie verweilen jeweils lange und ausgiebig im gelben Blütenmeer. Ein anderes Mal beobachtete ich eine Hornisse auf dem Apfelbaum wie sie eine Wespe zerlegte und frass. Unser Teich ist nicht nur bei ihnen als Wasserquelle sehr beliebt und selbst der alte Gartenzaun dient ihnen zum Holzsammeln für ihren Nestbau. Diese Hornisse liess sich nicht von mir stören, obwohl ich mit der Kamera mehrmals ganz nah an sie heran gehen musste. Hornissen sind in meinem Garten gern gesehene und friedvolle Gäste. 
Silvia Rüegg-Bonelli
21. Januar 2026

Kristallklarer Harztropfen

Dieser frische Harztropfen funkelte wie ein Bergkristall im herbstlichen Sonnenlicht. Der klebrige Baumsaft befindet sich in Harzkanälen, die den Baum durchziehen. Das Baumharz dient ihm bei Verletzungen. Damit verschliesst er die «Wunden», um sich so vor Krankheiten, Schädlingen und Pilzen zu schützen. Einheimische Bäume wie Fichten, Kiefern, Lärchen, Tannen und Arven beschenken uns mit dem «Gold des Waldes». Aus Baumharz können Heilsalben hergestellt werden. Nicht nur Weihrauch und Myrrhe, sondern auch Harze der einheimischen Bäume können verräuchert werden. Beim Abkratzen des Harzes muss darauf geachtet werden, dass die Rinde nicht verletzt wird. Das Baumharz muss so lange gelagert werden, bis es sich nicht mehr klebrig anfühlt. Rötlich-goldenes Baumharz kann gekaut werden wie ein Kaugummi. Lassen Sie das Harz eine Weile im Mund aufweichen bevor Sie es zerkauen. Das Harz sollte dafür weder zu weich noch zu hart sein.
Silvia Rüegg-Bonelli
21. Januar 2026

Schau genau hin, alle sind rot-schwarz gefärbt

Schon seit Jahren sind mir die Feuerwanzen wohl bekannt. Diese versammeln sich in meinem Garten an Baumrinden, krabbeln über Steine und sonnen sich an der Mauer. Fliegen können sie nicht, denn ihre Hautflügel unter den Deckflügeln sind verkümmert. Ebenfalls bekannt sind mir die Streifen- und die Mordwanzen. Auf meiner Pflanzentour in den Hegau traf ich kürzlich wieder auf unterschiedliche rot-schwarz gefärbte Wanzen, die sogar fliegen konnten. Zu Hause bestimmte ich die Tierchen, die eine als Gemüse- und die andere als Ritterwanze. Foto: sich paarende Ritterwanzen. 
Silvia Rüegg-Bonelli
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